14 Menschen verlieren ihr Hab und Gut

Im früheren Bahnhotel in Röthenbach bricht nachts ein Feuer aus. Familien müssen ins Freie flüchten. 120 Feuerwehrleute kämpfen stundenlang gegen die Flammen an. Das Gebäude ist aber nicht mehr bewohnbar.

Röthenbach Neben dem Hauseingang hängt ein Weihnachtsmann aus Holz, am Briefkasten ist Löschwasser zu Eiszapfen gefroren. In der Luft hängt der Rauch verbrannten Holzes. Vor dem früheren Bahnhotel in Röthenbach liegt Brandschutt. Die Fassade des stattlichen Gebäudes ist stellenweise eingebrochen. In der Nacht auf Samstag, 27. Dezember, hat ein Großfeuer das Mehrfamilienhaus weitgehend zerstört. 14 Menschen mussten sich mitten in der Nacht in Sicherheit bringen. Sie haben ihr Hab und Gut verloren. Die Brandursache ist unklar. Die Kriminalpolizei ermittelt – das übliche Vorgehen in solchen Fällen.
Das Bahnhotel liegt gegenüber vom Bahnhof in Röthenbach. In dem Gebäude waren früher unter anderem eine Kneipe und eine Arztpraxis untergebracht. Vor einigen Jahren sind Wohnungen eingebaut und das Gebäude hergerichtet worden.
Das Feuer bricht in der Nacht aus. Ein Nachbar alarmiert die Helfer um 3.50 Uhr per Notruf. Nach Polizeiangaben haben ihn Brandgeräusche geweckt. Im Nebel sieht er am Nachbarhaus Feuerschein. Als die ersten Feuerwehrler wenige Minuten nach der Alarmierung vor Ort eintreffen, steht das Dachgeschoss bereits in Vollbrand, berichtet der Röthenbacher Feuerwehrkommandant und Einsatzleiter Andreas Immler.
Die Bewohner haben sich da schon in Sicherheit gebracht und befinden sich außerhalb des Gebäudes. „Sie haben sich gegenseitig aus den Wohnungen geklingelt“, schildert der Kommandant.
Retten konnten die Bewohner allerdings nichts. Drei Familien konnten nicht einmal Handys, Geldbeutel und Brillen mit ins Freie nehmen. „Sie stehen buchstäblich vor dem nichts“, sagt Bürgermeister Stefan Höß.
Die Feuerwehrler beginnen die Brandbekämpfung von innen und außen. Trupps unter Atemschutz dringen in das Gebäude vor, müssen es aber nach einiger Zeit verlassen. „Es war zu gefährlich“, sagt Immler.
Die Ortswehr hat früh Unterstützung der benachbarten Feuerwehren aus Weiler, Grünenbach und Gestratz. Mit der ersten Alarmierung ist die Einsatzzentrale von einem größeren Brand ausgegangen. Die Feuerwehr aus Lindenberg rückt nach. Sie bringt eine weitere Drehleiter mit und einen Gerätewagen Atemschutz, um die Versorgung mit Atemschutzgeräten sicherstellen zu können. Schließlich bekämpfen gut 120 Feuerwehrler den Brand. Ihnen gelingt es zumindest, ein Übergreifen auf andere Gebäude zu verhindern. Akut habe das zwar nicht gedroht, sagt Kreisbrandrat Wolfgang Endres. „Aber es hat natürlich Funkenflug gegeben. Der ist immer gefährlich.“
Im Bahnhotel selbst breitet sich das Feuer schnell auf das Dachgeschoss des anderen Gebäudeflügels aus und erfasst auch darunterliegende Bereiche. Über zwei mehrere hundert Meter lange Schlauchleitungen fördern die Feuerwehren Löschwasser an das Gebäude. Bei Temperaturen von minus 7 Grad Celsius verwandelt das Wasser den Bereich in eine eisige Fläche. „Der Bauhof war von Anfang an im Dauereinsatz und hat gestreut“, schildert Kommandant Immler. Stundenlang bekämpfen die Feuerwehrler die Flammen. Feuerschein und die Rauchsäule sind weithin zu sehen.
Für die Löscharbeiten muss die Kreisstraße zeitweise gesperrt werden. Sie ist auch die einzige Zufahrt zum Bahnhof. Als dort der Betrieb beginnt, ermöglicht die Feuerwehr die Zufahrt zum Bahnhof. Das THW Lindenberg leuchtet das Areal aus.
Am Vormittag rückt ein Bagger- und Abbruchunternehmen an und beseitigt ein Blechdach. Erst danach kommen die Feuerwehrler an die letzten Brand- und Glutnester. Erst gegen 10 Uhr steigt kein Rauch mehr aus dem Gebäude auf. Die Einsatzkräfte rollen die Schläuche zusammen und rücken größtenteils ab. Vor Ort bleibt die Röthenbacher Feuerwehr als Brandwache zurück.
Das Gebäude ist nicht mehr bewohnbar. Die Polizei beziffert den Schaden auf eine mittlere sechsstellige Summe. Das ist eine erste Schätzung. Möglicherweise dürften der Schaden am Ende auch deutlich höher liegen.
Stark betroffen sind die 14 Bewohner der sieben Mietwohnungen. Sie haben kurz nach Weihnachten ihr Hab und Gut und das Dach über ihrem Kopf verloren. In der Nacht kommen sie bei Verwandten und Freunden unter. Für einen kleineren Teil richtet die Gemeinde vorübergehend eine Notunterkunft im Freizeitzentrum ein.
Röthenbachs Bürgermeister Stephan Höß ist selbst aktiver Feuerwehrmann, bei den Löscharbeiten dabei und kümmert sich um die Unterbringung der 14 Hausbewohner. Das habe reibungslos funktioniert, sagt der Rathauschef. Benötigt würden jetzt aber Wohnungen.

Der Brand war mitten in der Nacht ausgebrochen. Fünf Feuerwehren bekämpften ihn unterstützt vom BRK und THW. Foto: Richy Rädler
Im Einsatz waren zwei Drehleitern.
Der Eingang zum früheren Bahnhotel. Fotos: Peter Mittermeier